In: Wiener Rundschau vom 15. Januar 1899. + BEIGABEN -
Wien,
4°, S. 123-125.
Guter Zustand, Heftränder leicht bestoßen.
Beiliegend 26 Postkarten der Serie "Per aspera ad astra" nach dem 63 m langen Fries des deutschen Malers und Sozialreformers Karl Wilhelm Diefenbach, den dieser gemeinsam mit seinem Schüler Hugo Höppener (Künstlername „Fidus“) malte. --- Von Spaun schloss sich zeitweilig der von Diefenbach 1897 gegründeten Künstlerkommune „Humanitas“ im Hause der ehemaligen Gaststätte „Am Himmel“ am Himmelhof in Ober Sankt Veit (bei Wien) an, war zeitweise Diefenbachs Lieblingsjünger und erledigte die Geschäfte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war neben Diefenbach auch Paul von Spaun Gegenstand von Skandalberichten in der Presse.[3] Max Winter, Journalist der Arbeiter-Zeitung, prangerte zunächst seinen Konsum von Kaffee und Zigaretten hinter zugezogenen Hotelvorhängen an, der den Maximen gesunder Lebensweise, die Spaun öffentlich predigte, widersprach, und schrieb dann weitere negative Meldungen über den Maler. Die Presse nannte ihn einen Heuchler und Schnorrer. Adelstitel und familiäre Herkunft wurden gezielt zur Requirierung von Geldmitteln genutzt, z.B. bei der Gründung einer „Ehrenvereinigung“ für Diefenbach, für die auch zeitweise Personen wie Bertha von Suttner gewonnen werden konnten. 1895 begann Paul von Spaun ein Verhältnis mit Diefenbachs zwölfjähriger Tochter Stella. Als Diefenbach davon erfuhr, erpresste er seinen Adlatus, in der Kommune zu bleiben, die dieser eigentlich verlassen wollte. 1899 wurde Stella Diefenbachs Tochter Vera geboren. Da das junge Mädchen seit 1898 auch ein Verhältnis mit Paul von Spauns Bruder Friedrich hatte, der seinerseits mit Diefenbachs ehemaliger Partnerin Magda Bachmann verheiratet war, ist die Frage der Vaterschaft ungeklärt. 1899 zog der damals von der Wiener Gesellschaft boykottierte, ruinierte und entmündigte Diefenbach mit Paul von Spaun und einigen weiteren Gefährten nach Triest. Von dort musste Paul von Spaun im Sommer 1899 nach Wien zurückkehren, um sich in einem Prozess mit den Vorwürfen der Notzucht und des Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung auseinanderzusetzen. Auch er behauptete damals, Stellas Kind sei nicht von ihm, sondern von seinem Bruder Friedrich. Über das eigentlich geheime Gerichtsverfahren, zu dem auch Diefenbach erschien, wurde in der Presse ausgiebig berichtet. Unter anderem wurde Paul von Spaun in einem Artikel des Neuigkeits-Welt-Blattes vom 22. September 1899 bezichtigt, Diefenbach-Bilder in großer Zahl zu fälschen bzw. unter dem Namen Diefenbachs Bilder in Umlauf zu bringen. Spaun wurde schließlich vom Vorwurf der Notzucht freigesprochen. Für einen Brief, in dem er die katholische Kirche als gemeinschädlich und geistentwürdigend bezeichnet hatte, wurde Spaun allerdings mit acht Tagen strengem Arrest bestraft, außerdem musste er die Gerichtskosten zahlen.
Schlagworte:
[Silhuetten, symbolistische deutsche Maler, Symbolismus, Künstlerkommune „Humanitas“ im Hause der ehemaligen Gaststätte „Am Himmel“ am Himmelhof in Ober Sankt Veit (in , damals bei Wien)